LO133 Reparatur

Moderator: duddsig

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Andreasankl
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LO133 Reparatur

#1

Beitrag von Andreasankl »

Ich habe vor einigen Wochen einen LO133 von Norbert aus Rheda-Wiedenbrück bekommen. Mir waren die Probleme mit der Maschine bekannt,
der Zahnriemen, die sich auflösende Schreibwalze und noch einige zerbröselte Kunststoffteile. Zunächst ging es an das Fernschaltgerät, die Maschine war vorher bei einem Amateurfunker in Betrieb, also auf den ursprünglichen Zustand zurück bauen. Zusätzlich musste der Nummernschalter justiert werden, bei Wahl der Ziffer 1 bis 0 wurde jeweils ein Impuls mehr gesendet, es lag am nsr Kontakt.
Zunächst wurde die Maschine gereinigt und geölt, dabei lässt sich am besten feststellen welche Kunststoffteile sich aufgelöst haben.
Als nächstes ging es an die Schreibwalze, dazu habe ich etliche Telefonate mit verschieden Firmen geführt um einen Anbieter zu finden der die Schreibwalze mit einem neuen Gummi bezieht.
Bei der Firma J. Aßfalg Walzengummierungen bin ich dann fündig geworden.
Die Firma hat ihren Sitz in Heusenstamm und hat mir die Schreibwalze für eine Gesamtsumme von 58,68€ neu bezogen. Davon waren 9,10€ Frachtkosten.
Als Gummi habe ich 90o Shore NBR schwarz +/-5 genommen, das ist die Härte des Gummis und ich muss sagen die neue Schreibwalze ist sehr gut geworden.
Die Homepage der Firma:
https://www.assfalgwalzen.de/

In der Zwischenzeit habe ich die Typenhebelauflage durch einen Filzstreifen ersetzt, die Alte hatte sich aufgelöst. Auch bei der Dämpferanschlagschraube fehlte das Kunststoffteil. Dazu habe ich ein Stück Klebesticks für Heißklebepistolen verwendet. Das geht sehr gut, die Schraube erwärmen und dann den Klebestick hinein drücken.

Als nächstes ging es an den Zahnriemenantrieb für den Lochstreifensender.
Da es die original Zahnriemen nicht mehr gibt habe ich einen neuen Zahnriemenantrieb hergestellt.
Zuerst zum Übersetzungsverhältnis: das beträgt zwischen Sender und Lochstreifensender 1:1.
Ich habe mich für einen Zahnriemen Modul T2,5 Breite 6mm Länge 200mm und die 2 Zahnriemenscheiben Bezeichnung 16 T2,5/24-2 entschieden.
Die Zahnriemenscheiben haben eine Durchmesser von 19,15 mm und 24 Zähne. Sie sind nicht vorgebohrt, so das man die Bohrungen für die einzelnen Wellen selber passend herstellen muss. Außerdem musste ich die Zahnriemenscheibe für den Lochstreifensender in der Breite anpassen und eine Bohrung für einen Hohlspannstift anbringen. Weil der neue Zahnriemen ca. 9mm länger ist habe ich eine Spannrolle dazu hergestellt.
Nach dem Zusammenbau funktionierte der Antrieb bestens.
Zum Testen des Lochstreifensenders habe ich dann einen ryry Lochstreifen benutzt. Da kam dann die nächste Überraschung, es wurde zeitweise ryry aber auch dydy oder rsrs gedruckt. Beim Schreiben mit der Tastatur trat der Fehler nicht auf. Dazu muss mann wissen das Lorenz beim Senden über den Lochstreifensender die Nockenwelle des Senders benutzt. Im Lochstreifensender werden über die Abfühlhebel die vorbereitenden Kontakte voreingestellt, diese sind mit den Sendekontakten im Sender in Reihe geschaltet. Je nachdem wie nun der Lochstreifen gestanzt wurde Loch / kein Loch sind die vorbereitenden Kontakte geschlossen oder offen. Dieses passiert gleichzeitig. Zu gleichen Zeit dreht sich im Sender die Nockenwelle, die nacheinander die 5 Sendekontakte steuert, dabei sind die Kontakte geschlossen so wie beim Senden von BU. Während des Senden des Stopschritts wird im Lochstreifensender der nächste Abtastschritt eingestellt. Damit das alles einwandfrei funktioniert müssen Sender und Lochstreifensender zu jeder Zeit synchron laufen.
Hier lag das Problem, nach dem Drücken der Starttaste für den Lochstreifensender müssen beim Sender die Nockenwelle und beim Lochstreifensender die Antriebswelle gleichzeitig frei gegeben werden, dieses war nicht der Fall. Die Feder für die Auslösung der Antriebswelle war zu schwach, sie befindet sich rechts außen Lochstreifensender. Nach dem Einbau einer neuen funktioniert jetzt alles einwandfrei.
Ach und zum Schluss, beim Testen kam dann nach ca. 2 Std. auch noch der Netzfilter am Motor mit einem Knall und einer Rauchwolke.
Fazit: auch ein LO133 lässt sich reparieren auch wenn es viel Zeit kostet.
Er ist ja auch ein Teil in der Entwicklungsgeschichte der Fernschreiber.

Anbei einige Bilder.
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Gruß Andreas

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Franz
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Re: LO133 Reparatur

#2

Beitrag von Franz »

Danke für den tollen Bericht Andreas, das lässt ja wirklich hoffen :thumbsup:
VG Franz
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wkuebart
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Re: LO133 Reparatur

#3

Beitrag von wkuebart »

Exzellenter Bericht, der mir auch ein bisschen Hoffnung macht, mit unseren Lo133 doch noch fertig zu werden.

Danke!
Wolfgang
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NittyGritty
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Re: LO133 Reparatur

#4

Beitrag von NittyGritty »

Ich werde demnächst diese Firma testen, die ist bei mir um die Ecke (Siemens T100 Schreibwalze)
http://www.p-roehlig.de/
Werde berichten über Kosten und Ergebnis
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