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Re: Lorenz FSG geht nicht mehr

Verfasst: Mo 26. Jul 2021, 11:51
von SAS
Keine Osmose?

Re: Lorenz FSG geht nicht mehr

Verfasst: Mo 26. Jul 2021, 17:08
von Fernschreiber
Das war übrigens einer der Gründe, warum der Pluspol aller Vermittlungstechnik und hier alle Eisengestelle geerdet waren. Damit war sichergestellt, das ein wodurch auch immer ausgelöster Materialfluss (von Plus nach Minus) immer vom Eisen weg stattfand ( hier z.B. zur Wicklung). Eisen war reichlich da, aber ein Spulendraht von 0,07 mm wäre bei 60V Spannung und mässiger Luftfeuchte dann doch vorschnell unterbrochen gewesen. Ein so dünner Draht wie hier (0,06 mm) war bei Wicklungen im KOhm-Bereich ganz normal. Naja , auf dem Relais im FSG sind ja nur 55000 Windungen, also viel Spass, habe ich auch schon repariert. Ist eine I-Tupf der mechanischen und mentalen Schule.
Gruß
Willi

Re: Lorenz FSG geht nicht mehr

Verfasst: Mo 26. Jul 2021, 17:22
von Fernschreiber
Nachtrag:
Bei der Telextechnik war ja (und ist bei mir immer noch) die Batteriemitte geerdet. Für die Betriebsspannung -60 V gilt das eben geschriebene. Nun gibt es auch noch die +60V Spannung. Zwischen diesen beiden Spannungen hängt nun das FSG 7/24 mit dem Pluspol an der A-Ader, wo auch das Relais liegt. Ungünstigerweise gilt nun beim Teilnehmer der umgakehrte Fall. Wenn Materialwanderung, dann immer noch von Plus nach Minus, nur liegt jetzt der Kupferdraht an Plus gegeüber dem hoffentlich geerdeten FSG. Somit treiber 60V das Material zum Eisen (Spulenkörper). Auf Jahrzehnte geht das nicht immer gut. Es sind nicht nur diese Relais, sondern auch die Sperrmagneten in den FSG von Siemens, die ein ähnliches Schicksal erleiden. Das mal aus Sicht eines Fernmelders, der das von der Pike auf gelernt hat, braucht aber heute keiner mehr.
Gruß
Willi

Re: Lorenz FSG geht nicht mehr

Verfasst: Mo 26. Jul 2021, 18:06
von TEHA
Fernschreiber hat geschrieben: Mo 26. Jul 2021, 17:08 Das war übrigens einer der Gründe, warum der Pluspol aller Vermittlungstechnik und hier alle Eisengestelle geerdet waren.
Fernschreiber hat geschrieben: Mo 26. Jul 2021, 17:22 nur liegt jetzt der Kupferdraht an Plus gegeüber dem hoffentlich geerdeten FSG.
Frage eines Nichtelektrikers:
Sollte man dann die Metallgehäuse der FSGs evtl. zusätzlich erden (z.B. an den häuslichen Fundamenterder) oder wie ist das zu verstehen?

Re: Lorenz FSG geht nicht mehr

Verfasst: Mo 26. Jul 2021, 19:16
von Fernschreiber
Hallo Thomas,
Antwort an einen Nichtelektriker:
Mit dem hoffentlich geerdet war gemeint, das der Schutzleiter vom Netzkabel (original rot, heute grüngelb) auch wirklich am Metallgehäuse liegt, damit Dieses keinesfalls Netzspannung führen kann. Die Gegenseite im Netzstecker muß ebenfalls OK sein. Wenn dann der Schutzleiter von der Steckdose auch bis zur Potentialausgleichsschiene elektrisch durchgeht, bist Du berührungstechnisch bei geschlossenem FSG auf der sicheren Seite. Du arbeitest hier mit einer ca. 50 Jahre alten Technik, da kann immer mal etwas passieren. Vorrausgesetzt das Netzkabel ist in Ordnung, kann immer mal ein Leckstrom durch Entstörkondensatoren zum Gehäuse des FSG bzw. genau so am FS gelangen. Dessen Schutzleiter muß zwingend OK sein und leitend am Gehäuse angeschlossen sein. Dann dürfte in der Regel ab 30 mA der Fehlerstromschalter auftrennen. Ist der Schutzleiter unterbrochen (merkt man im Betrieb erst wenn es bestenfalls kribbelt) kann Netzspannung an das Gehäuse und von dort über die Entstörkondensatoren auch auf die Telexleitung gelangen. Wie stark hängt vom Fehler ab. Die Telexmaschinen wurden früher über Anschlusskombinationen angeschlossen, deren Netzzuführung normalerweise exklusiv bis zur Schalttafel/Zähler geführt werden sollte. Damit war sichergestellt, das auch bei Schaltarbeiten im Gebäude an Dosen und Verteilern der Fernschreiber immer berührungssicher angeschaltet war. Dieses Berührungsspannungsthema rückt durch die vermehrte Schutzisolierung ( keine leitenden Teile am Gehäuse bzw. Betrieb über qualifizierte Steckernetzteile in den Hintergrund, ist aber bei Bügeleisen/Mikrowelle/ Wasserkocher dennoch real.
Also messe deine Kabel mal durch (am besten mit einem Piepser und bewege alles), sind keine störenden Geräusche im Piepton zu hören, sollte die Kabel noch OK sein. Zeigen die Kabel optisch schon Risse oder sind hart/spröde, raus damit. Ebenso sollte eine Reihenschaltung von Verteilerdosen vermieden werden, das reduziert grundsätzlich auch bei kleinen Leistungen Risiken.
Das alles verhindert keine Materialwanderung. Die findet in jedem Fall statt. Bei original i-Telex Technik allerdings extrem wenig, da die Versorgungsspannung schwebend ohne Erdbezug aufgebaut ist. Da fliessen vielleicht wenige nanoA, je nach Isolierungsstatus. Dieser hängt maßgeblich vom Netztrafo und dem Aufbau ab.
Das war jetzt eine Schnellantwort und ich hoffe Du hast verstanden worum es geht. Solltest Du ein gebrauchtes Relais finden oder das reparieren lassen, sollte das die nächsten Dekaden überstehen.

Gruß
Willi

Re: Lorenz FSG geht nicht mehr

Verfasst: Mo 26. Jul 2021, 19:34
von TEHA
Danke, da bin ich ja beruhigt, der PE ist bei mir überall an den Metallgehäusen und -rahmenteilen angeschlossen.
Und die Kabel sind alle noch ok, ohne Risse oder Beschädigungen, diejenigen, die verdächtig aussahen, habe ich schon erneuert.
Und ein Ersatzrelais ist auch schon auf dem Weg zu mir. :)