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Fernschreibnetze warum?

Verfasst: Sa 25. Aug 2018, 08:43
von toshi
Hallo!

Mal eine geschichtlich Frage - Weiß jemand, warum man eigentlich ein Fernschreibnetz- und Fernschreibvermittlungen aufgebaut hat parallel zum
Telefonnetz?

War es technisch in den 20ern/30ern noch nicht möglich, einen lokalen Umsetzer für Fernschreib-Signale in Töne und zurück (so was wie ein Modem) zu vertretbaren Kosten zu bauen?

Oder hatte das andere Gründe?

Viele Grüße
Stephan

Re: Fernschreibnetze warum?

Verfasst: Sa 25. Aug 2018, 09:11
von FeTAp616
Hallo Stephan,

das hat verschiedene Gründe. In Ländern die noch kein Telegraphen-Netz hatten, haben die Postverwaltungen schon mit
einer Übertragung in Tonlage angefangen.
Die Probleme sind die Tonerzeugung (Röhren-Genaratoren), die Demodulator-Filter und auch die Störungen in der
analogen Vermittlung mit Wählern (Knacken, kurze Unterbrechungen).

In D hat die Entwicklung ein eigenes Netz hervorgebracht, das auf den Betriebsnetzen von z.B. Siemens beruhte.

Im Forum gibt es was zur "Eintontelegraphie": viewtopic.php?f=2&t=264&p=1749&hilit=ei ... afie#p1749
Im "SCHIWECK" den du ja auch noch bekommst ist da auch was drin.

Einen geschichtlichen Abriss gibt es auch hier: viewtopic.php?f=32&t=695&p=5392&#p5392 (50 Jahre Telex)

Grüsse

Helge

Re: Fernschreibnetze warum?

Verfasst: Sa 25. Aug 2018, 10:35
von duddsig
FeTAp616 hat geschrieben: Sa 25. Aug 2018, 09:11 Die Probleme sind die Tonerzeugung (Röhren-Genaratoren), die Demodulator-Filter und auch die Störungen in der
analogen Vermittlung mit Wählern (Knacken, kurze Unterbrechungen).
Sehe ich auch so.
Selbst die Tonerzeugung mit Röhren wäre in der Anfangszeit des Fernschreibens wohl noch nicht mal möglich gewesen. Später als das möglich wurde hätte man dann erst mal kühlschrankgroße FSG's gebraucht :hehe: . Noch später mit Miniaturröhren wäre das FSG immer noch so groß wie ein altes Röhrenradio gewesen. An die Vermittlungstechnik will ich da gar nicht denken. Energie ohne Ende hätten die dauerbeheizten Röhren auch gefressen (beim Tln und in der Vst).

Re: Fernschreibnetze warum?

Verfasst: Sa 25. Aug 2018, 10:56
von DF3OE
Hierzu darf ich auf nachfolgenden Artikel "Stand des deutschen Teilnehmer-Fernschreibverkehrs" aus der
Zeitschrift E F D von Februar 1937 verweisen:
EFD 1937-40 - Stand des deutschen Teilnehmer-Fernschreibverkehrs.pdf

Diesen Scan habe ich gerade von unserem neuen Mitglied MarkusS erhalten :thumbsup: und hoffe, dass er hier nichts gegen
eine Veröffentlichung hat.

Re: Fernschreibnetze warum?

Verfasst: Sa 25. Aug 2018, 11:19
von FeTAp616
Danke, das beleuchtet auch die Vermittlungsseite.

Ich habe noch mal zu den Tongeneratoren nachgelesen, da standen mechanische in den 30ern noch hoch im Kurs,
also eigentlich kleine rotierende Umformer die aus den 50 Hz des Netzes (recht konstant) dann eine Tonfrequenz
gemacht haben (400-1kHz).
Empfängerseitig gab es auch "Stimmgabel-Filter", also quasi mechanische Filter. Wäre also machbar gewesen.

Bleiben noch die Störungen im Telefonnetz der damaligen Zeit besonders bei langen Leitungen.

Das alles zusammen mit den Gründen im Leitungsnetz(s.o.) gab dann ein extra FS-Netz.

Grüsse

Helge

Re: Fernschreibnetze warum?

Verfasst: Sa 25. Aug 2018, 11:31
von Knut
DF3OE hat geschrieben: Sa 25. Aug 2018, 10:56 Hierzu darf ich auf nachfolgenden Artikel "Stand des deutschen Teilnehmer-Fernschreibverkehrs" aus der
Zeitschrift E F D von Februar 1937 verweisen:

EFD 1937-40 - Stand des deutschen Teilnehmer-Fernschreibverkehrs.pdf


Diesen Scan habe ich gerade von unserem neuen Mitglied MarkusS erhalten :thumbsup: und hoffe, dass er hier nichts gegen
eine Veröffentlichung hat.
toller Artikel. Und es kam auch durchaus heraus, daß die Lösungen anderer Postverwaltungen sich ebenfalls bewährt haben.

Re: Fernschreibnetze warum?

Verfasst: Sa 25. Aug 2018, 12:29
von duddsig
FeTAp616 hat geschrieben: Sa 25. Aug 2018, 11:19 also eigentlich kleine rotierende Umformer die aus den 50 Hz des Netzes (recht konstant) dann eine Tonfrequenz
gemacht haben (400-1kHz).
Ja, natürlich!
Mit 2 "RSM's" :D und Frequenzumtastung mit einem Tel-Relais bekäme man die Sendeseite recht "klein" gebacken.
Man kann glaube ich auch mit einer "RSM" 2 Frequenzen erzeugen wenn man die entsprechend baut.
FeTAp616 hat geschrieben: Sa 25. Aug 2018, 11:19 Empfängerseitig gab es auch "Stimmgabel-Filter", also quasi mechanische Filter. Wäre also machbar gewesen.
Das müßte man dann aber irgendwie verstärken um einen Empfangs-Magneten zu treiben, oder geben diese Teile
das her :?


Die Sendeseite könnte man sogar vom Motor der Maschine mitmachen lassen

Re: Fernschreibnetze warum?

Verfasst: Sa 25. Aug 2018, 12:51
von FeTAp616
duddsig hat geschrieben: Sa 25. Aug 2018, 12:29
FeTAp616 hat geschrieben: Sa 25. Aug 2018, 11:19 Empfängerseitig gab es auch "Stimmgabel-Filter", also quasi mechanische Filter. Wäre also machbar gewesen.
Das müßte man dann aber irgendwie verstärken um einen Empfangs-Magneten zu treiben, oder geben diese Teile
das her :?
Verstärker bräuchte man, das stimmt. Die Stimmgabel-Filter gab es für Fernsteuer- (Rundsteuer-) Anlagen.
Müsste mit einer Röhre gehen.


Grüsse

Helge

Re: Fernschreibnetze warum?

Verfasst: So 26. Aug 2018, 09:32
von toshi
Vielen Dank für die einleuchtenden Erklärungen!