Projekt T4200

... und hier kann der eigene "Fuhrpark" präsentiert werden.

Moderator: Franz

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cguenther
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Projekt T4200

#1

Beitrag von cguenther »

Hallo zusammen,

als Fan von Siemens-Geräten der Nomenklatur Txxxx[y/yy] - gerne auch mit Bildschirm - stösst man unweigerlich irgendwann auf die T4200. Diese, von Siemens mit Teletex als Übergang zu neuen Diensten gedachte Maschine, war zur Teilnahme am Telex-Verkehr zwar in der Lage Telex-Zeichensatzkonforme Nachrichten direkt auf dem Gerät zu schreiben, abern auf eine vermittlungsseitige Umsetzung von Teletex auf Telex angewiesen.

Damit zunächst aus dem Scope ergab sich durch Zufall, dass ich an einen nennenswerten Bestand (zumindest für den Eigenbedarf) an Farbbändern, Korrekturbändern, Typenrädern (fast kompl. Sammlung) sowie - und das war das eigentlich interessante - Servicedisketten kam. Nicht nur, dass die Disketten für die T4200 (als auch T1000S) nur als ECMA66 vorformatiert zu erhalten waren (gabs original von Siemens für DM 200.-+ als auch von Boeder, eigentlich nur 1D1S, aber das Format halt...) und zusätzlich neue Disketten dem Paket beilagen. Die Servicedisketten waren so vielsagend beschriftet wie "Diagnosestufe 3, Service-Loader, V.24-Schnittstelle, "Retten"-Disketten zum formatieren(!), kopieren und halt "retten" von Textdisketten usw.
Obendrauf kam noch eine Info zum Starten des T4200 im BIOS-Modus so dass das Gerät als solches wieder interessant wurde.

Als problematisch war zu erwarten, dass den T4200 wohl generell das X.21/Datex-L Modem (DFG 9600UE-2E) entnommen wurde. Recherchen haben allerdings ergeben, dass das Modem vom Typ DNG 9600 die Funktionen in Bezug auf X.21 Vermittlungs- wie Geräteseitig "können" soll und diese Modemen tatsächlich noch zu bekommen sind. Des weiteren fand sich ein X.21-Testkoffer an, mit dem die Vermittlungsseite zumindest Pegelmässig als auch rudimentär nachzustellen wäre.

Es haben sich dann 3 T4200 hier angefunden. Leider nur in unterschiedlichen "Rüststufen" bzw. mit fehlendem Zubehör. Modem fehlte bei allen.

Maschine #1, gelabelt als "Funktionierend" mit Bildschirm, Tastatur und Einzelblattzuführung. Hier jedoch leider mit fehlender Papierkassette.
Maschine #2, gelabelt als "Netzteil defekt", mit Bildschirm, jedoch fehlender Tastatur, kein Einzelblatt.
Maschine #3, gelabelt als "Teileträger", ohne Bildschirm, ohne Tastatur, Netzteil defekt, kein Einzelblatt, div. Schäden bzw. Fehlteile wie "Ferndiskettenlaufwerk".

Es stellte sich recht schnell heraus, dass #1 ein Problem mit der Erkennung der Papierzuführung hatte und auch nicht so reagierte, wie z.B. im Video von Alex und seiner T4200 zu sehen. Das Gerät verfügt über 2 Lichtschranken, die eingelegtes Papier zum Einzug erkennen. Das funktionierte nicht. Außerdem fährt die Maschine bei PowerUp den vorderen Papierandrück-Bügel einmal durch den kompletten Ablauf Abheben/Anlegen - auch dies tat die Maschine nicht.

Bei der Durchsicht der beiden Floppylaufwerke zeigte sich zudem, dass hier das Fett auf den Führungsstangen des R/W-Sliders schon etwas fest wurde, zudem wohl die Maschine einige Betriebsstunden auf dem Buckel haben musste. Interessant schien mir, dass die Floppy-LW anscheinend keine Stepper zum direkten Anfahren der Spuren haben, sondern dies recht "mechanisch" über eine Art Positionierungsschnecke erfolgt: Eine flache Kunststoffscheibe mit scheckenförmig nach außen laufenden Führungsrillen, über die der R/W-Slider per Kugellager positioniert wird... spacig....

Ich habe dann das funktionierende NT in Maschine #2 umgebaut und mich dann an die Funktion des Gerätes herangetastet. Maschine #1 und #2 verfügten über funktionierende Ferndisketten (das ist ein 5,25"-Floppy-Laufwerk hochkant links im Gerät, durch den Gehäusedeckel abgedeckt und somit nicht im normalen Benutzerzugriff. Die "Lokaldiskette" ist ein 2. 5,25"-LW rechts im Gerät, durch Ausschnitt für den Benutzer zugänglich, z.B. zum Speichern von Texten, Journalen etc.)
Grundsätzlich habe ich nun eine funktionierende Maschine - die letztlich eine sehr frühe WYSIWYG-Schreibmaschine mit Bildschirm darstellt. Das Schriftbild ist "Granate". Es gab 3 unterschiedliche Farbband-Varianten, 2x Dokumentenecht, 1x Nicht-Dokumentenecht und hierfür CoverUp bzw. LiftUp-Korrekturbänder. Diese nahmen entweder das Karbon der "Farb"-Bänder wieder vom Papier ab (LiftUp) oder überdeckten es (CoverUp).
Die Farbbänder sind im Original nicht mehr zu bekommen, was sich eigentlich wie ein Todesurteil anhört. Ich habe jetzt nicht die Not, denke aber, dass man - vorausgesetzt man rettet die Farbband-Gehäuse - entweder durch Umspulen neue Farbbänder (Carbon-Farbbänder gibts heute noch, man müsste sich mal die verfügbaren Breiten ansehen) in die Gehäuse einbringt oder vielleicht sogar mal Textilbänder ausprobiert - das natürlich ganz klar auf Kosten des Schriftbildes.
Korrekturbänder scheinen hier einfacher beschaffbar zu sein, mE gibt es einsetzbare Bänder noch von/für TA-Maschinen.

Aber dies sind alles noch keine Showstopper, die Versorgungslage mit Verbrauchsmaterial ist für mich gesichert.

Es stellte sich allerdings leider heraus, dass ALLE Service/Loader/Programmdisketten mit der gleichen Fehlermeldung "Spur/Positionierungsfehler" ohne weiteres nicht lesbar sind. Das Durchwechseln aller zur Verfügung stehenden Floppys (4 andere) brachte allerdings keine Änderung, so dass es durchaus auch möglich ist, dass die passende Initialisierungsroutine eben nicht startet. Nach der Info, die ich zu den Disks bekam, sollte die Maschine durch einen bestimmten "Affengriff" eben nicht in die Benutzer"oberfläche" starten, sondern in eine Art BIOS, was dann das Betriebssystem (den Loader) von der Diskette lädt und danach halt das Diagnose/Konfigurationsprogramm etc... Dafür spricht auch, dass die Service-Disketten des letzten Software-Releases nicht merh ECMA66 sondern MS-DOS-like formatiert sind.
Leider hänge ich derzeit an dem Punkt, dass dieser Affengriff anscheinend nicht der richtige ist, denn es kommt IMMER die normale Benutzeroberfläche hoch was dann auch dafür spricht, dass damit dann ALLE Servicedisketten mit dem gleichen Fehler abgelehnt werden. Da es sich um ALLE Disketten handelt besteht mE die Möglichkeit, dass es hierzu auch einen gemeinsamen Auslöser geben muss - halt das Laden NICHT über das BIOS heraus und dass die Disketten eben nicht ALLE defekt sind.

Damit steht das Projekt zunächst einmal - ich denke und hoffe, dass sich vielleicht irgendwann einmal entweder ein passendes Modem oder zumindest eine Schnittstellenbeschreibung des geräteseitigen Anschlusses des Modems findet, aus dem man dann einen Angriffsvektor auf den Intercept der Kommunikation vom Gerät zum Modem ableiten kann. Oder aber sich evtl. ein DFG 9600er Modem findet, so dass man mit X.21-Testkoffer zunächst einen Schritt weiter außen per MITM ansetzen kann.

Falls also noch jemand etwas in Richtung T4200 Hardware/Software/Zubehör/Doku "zu liegen" hat, oder jemanden kennt der... :-) Immer gerne!

LG
Carsten

PS: So sieht das gesuchte Modem aus (auf Bild klicken zum vergrössern)->
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Re: Projekt T4200

#2

Beitrag von siberia21 »

Hallo Carsten,

Was für ein fesselnder Text. Es ist einfach sowohl die Freude als auch das Leid zu erkennen was du mit der Maschine erlebst. Ein klassischer Fall von Wissen was verloren geht oder verloren gegangen ist. Auf meinen Suchen im Netz erlebe ich das immer wieder. Wissen geht verloren teils unwiederbringlich.

Leider kann ich dir nicht helfen, ich möchte aber definieren, dass du kraft schöpfst und weiter machst. Richtig Klasse das du uns darab teilhaben lässt. Ich bin gespannt was daraus wird.
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Re: Projekt T4200

#3

Beitrag von cguenther »

Hallo zusammen,

kleiner WrapUp & Update: Die Einschubmodems scheinen mit der Bezeichnung "Goldstaub" nicht annähernd zutreffend bezeichnet werden zu können. Aber egal, es gibt einen anderen "Angriffsvektor" -> Die Maschinenschnittstelle - die ja auch bei Verwednung dieses Modems über die Hersteller (zB neben Siemens auch Olivetti) zwangsläufig gleich ist.

Ich habe nun einen Tester erhalten - leider mit derzeit noch defektem Netzteil - der von Wandel & Goltermann als expliziter Teletex-Tester gebaut wurde. Dieser Tester, DTX-1, ist nicht nur in der Lage zwischen Netz und Modem sondern auch zwischen Modem und Maschine oder aber - und jetzt wirds interessant - komplett OHNE Modem das Fernmeldeseitige TELETEX-Netz nachzubilden oder sogar auch 2 Maschinen über Ihre Geräteschnittstelle - OHNE MODEM! - den kompletten Verbindungsaufbau und Verkehr als TELETEX-Nachbildung zu emulieren. Dies gleichzeitig mit tiefgreifenden Protokoll-Funktionen bzw. Logging auf Byte oder Protokollebene.

Damit sollte es dann möglich sein an der Geräteschnittstelle den Verkehr über Logikanalyzer insofern mitzuschneiden als dass dann zB ein ext. Raspi das Netz nachbilden können sollte. Nun - und von dort zu einem Interfacing als Telex-Maschine ist es dann nicht mehr weit... :-)

Die Problematik, dass der Tester zunächst komplett ohne Doku kam - dann auch nur noch ein Bedienungshandbuch aufzutreiben war - ist insofern gelöst, als dass heute die fehlenden Bände (Servicemanual und Appendix, beinhaltend alle Schaltpläne, Teilelisten, Abläufe, etc...) eintrudelten.

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Doch das sind alles noch Ideen - Fürs erste muss jetzt zunächst der vorhandene Tester wieder ins Leben kommen - wobei es evtl. noch Alternativen gäbe, aber die sind noch nicht Spruchreif.

Mittlerweile haben sich 4 T4200 angefunden, hiervon 2 funktionsfähige Geräte sowie 2 Ersatzteilträger. Auch die Lage bzgl. Farbbändern, Korrekturbändern, Typenrädern etc. ist mittlerweile so, dass ich das wohl in diesem Leben nicht mehr weggedruckt bekomme :-)

Es bleibt also spannend - ich hoffe ich komme mit dem Netzteil alsbald weiter - oder ich darf es evtl. doch noch zu Bernd in wissende Hände geben? :-)

LG
Carsten
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Re: Projekt T4200

#4

Beitrag von cguenther »

Update!

Heute kam ein schönes Paket: ein Wandel&Goltermann DTX-1 TELETEX-Tester. Ich würde sagen Neuzustand, Gerät selbst komplett getestet und in Vollausstattung samt Servicekoffer. Dies bedeutet auch das Vorhandensein aller Adapter die - wie oben schon einmal erwähnt - die direkte TELETEX-Kommunikation mit dem Endgerät OHNE MODEM ermöglichen bzw. sogar den Verkehr zwischen 2 TELETEX-Geräten ohne Modem.

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So, jetzt wirds langsam spannend... :-) ... mal sehen, was die T4200 dazu sagen :-) ... und ob das alles so Funktioniert wie vorgestellt...
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Re: Projekt T4200

#5

Beitrag von cguenther »

Hallo,

ich bin heute dazu gekommen mit einer T4200 und dem o.a. Tester ein Setup zu machen um die Grundfunktionalitäten auszuprobieren. Hierbei war der Tester in der Konfiguration Simulation DCE und Umgehung des eingebauten (eh nicht vorhandenen) DFG/Modems zu betrieben.

Et löppt! :-)

Am T4200 konnte eine vorher erstellte Teletex-Datei übertragen werden und lief einwandfrei beim Tester ein.

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Auch konnten einwandfrei Rufe vom Tester (Simulation Vermittlung) an die T4200 abgesetzt werden, die das Gerät einschalteten und angenommen wurden.

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Das nächste Setup wird dann die Simulation der kompletten Vermittlung zwischen zwei T4200 sein. Hiermit müsste man dann genug Vektoren finden, die Kommunikation zu mitzuschneiden, dass man diese im ersten Schritt durch eigene Hardware simulieren kann und dann - so die Idee - sollte ein Betrieb am iTelex-Netz auch nicht unmöglich sein :-)

LG
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